Für einen tollen Sonnenuntergang braucht es drei Dinge: Wolken, die hoch genug stehen, um das Licht einzufangen, einen freien Weg für dieses Licht vom Horizont in Richtung der untergehenden Sonne und saubere Luft. Stimmen alle drei, leuchtet der Himmel. Fehlt eines, verblasst er zu Grau, selbst wenn der Himmel über dir perfekt aussieht.
Warum Sonnenuntergänge überhaupt rot sind
Sonnenlicht ist eine Mischung aus allen Farben. Steht die Sonne hoch, durchquert ihr Licht nur eine dünne Schicht der Atmosphäre. Bei Sonnenuntergang streift es seitlich herein, durch etwa 38-mal mehr Luft als bei senkrecht über dir stehender Sonne.
Auf diesem langen Weg streuen Luftmoleküle die kurzen blauen Wellenlängen aus dem Strahl heraus. Es ist dieselbe Streuung, die den Taghimmel blau macht. Was die Reise übersteht, ist Orange und Rot.
Key idea
Stell dir einen Sonnenuntergang als Projektor vor: Die untergehende Sonne ist die Lampe. Doch eine Lampe allein beleuchtet nur einen schmalen Streifen Horizont. Sie braucht eine Leinwand.
Anzeichen eins: die Leinwand
Die Leinwand sind Wolken, und ihre Höhe zählt. Mittelhohe Wolken wie der gerippte Altocumulus (etwa 2–6km hoch) und hohe, fedrige Cirren (etwa 6–12km) stehen so weit über dir, dass sie noch im Sonnenlicht liegen, wenn die Sonne bei dir längst untergegangen ist. Sie fangen das rote Licht von unten auf und glühen.
Tiefe Wolken funktionieren anders. Eine geschlossene graue Decke in Bodennähe blockiert das Licht, statt es einzufangen, und ein völlig klarer Himmel schenkt dir zwar ein Glühen am Horizont, aber nichts, was über dir aufleuchten könnte. Aufgelockerte, verstreute mittelhohe und hohe Wolken sind die beste Leinwand.
Anzeichen zwei: ein freier Weg für den Strahl
Dieses Anzeichen übersehen fast alle. Um Wolken von unten zu beleuchten, muss das Sonnenlicht flach einfallen, fast parallel zum Boden, aus der Richtung der untergehenden Sonne. Eine dicke Bank tiefer Wolken in dieser Richtung wirkt wie jemand, der sich vor den Projektor stellt.
Und weil dieser flache Strahl Hunderte Kilometer über die Erdkrümmung streift, bevor er die Wolken über dir erreicht, kann das Hindernis 100km oder weiter entfernt sein, über einem Ort, den du nicht sehen kannst. Licht, das nach Sonnenuntergang eine Wolke in 10km Höhe erreicht, hat die Erdoberfläche zuletzt rund 350km weiter in Richtung Sonne gestreift.
Key idea
Der Himmel über dir kann perfekt aussehen, und der Sonnenuntergang fällt trotzdem aus, wegen des Wetters jenseits deines Horizonts.
Deshalb ist ein schneller Blick nach draußen keine Vorhersage. Die Wolken über dir kannst du beurteilen. Die Lücke oder die Wand jenseits des Horizonts siehst du nicht.
Anzeichen drei: die Linse (saubere Luft)
Je sauberer die Luft, desto reiner die Farbe. Dichter Dunst, durch Feuchtigkeit aufgequollene Partikel oder Rauch von Waldbränden in Bodennähe waschen den Himmel zu einem flachen, trüben Orange aus, wie ein Projektor mit schmutziger Linse. Rauch kann die Sonne selbst tiefrot färben, dämpft aber meist die Wolken.
Das ist ein Grund, warum der Himmel direkt nach einem Gewitter spektakulär sein kann: Regen hilft, die Luft zu reinigen, und das abziehende Wettersystem hinterlässt oft aufgelockerte Wolken.
Bonus: Geh nicht, wenn die Sonne verschwindet
Hohe Wolken können noch zehn bis zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang leuchten, in hohen Breiten im Sommer länger, weil sie noch lange im Sonnenlicht liegen, wenn es bei dir längst dunkel ist. Die Farbe erreicht ihren Höhepunkt oft erst, wenn die meisten schon drinnen sind.
Die drei Anzeichen
Prüfe ein paar Stunden vor Sonnenuntergang:
- Die Leinwand: Gibt es über dir aufgelockerte mittelhohe oder hohe Bewölkung statt einer geschlossenen tiefen grauen Decke?
- Der Strahl: Ist der Horizont in Richtung der untergehenden Sonne frei von dicken tiefen Wolken, bis 100km weit und darüber hinaus?
- Die Linse: Ist die Luft sauber, ohne dichten Dunst oder Rauch?